Geschichte

Gründung und Geschichte der Bau- und Mietergenossenschaft Luzern (BML) – Eintragung im Handelsregister 12. Februar 1947

Die BML feierte im Jahre 2007 ihr 60 Jahre-Jubiläum. Aufgrund dieses Anlasses wurde eine Broschüre verfasst. Präsident Heini Bühlmann hielt mit nachstehendem Text Rückblick auf die Jahre seit der Gründung.

Wir dürfen stolz sein auf den nachhaltigen Erfolg einer Selbsthilfe-Aktion und ihrer sozialen Idee

Die Bau- und Mietergenossenschaft Luzern wurde vom Luzerner Architekten F.O. Reinhard gegründet. Weiter Gründungsmitglieder waren Handwerkermeister aus Luzern wie Zimmermeister Ernst Brauchli, Malermeister Harry Bühlmann sowie städtische (Emli Brun) und kantonale Beamte.

Von letzteren lässt sich heute nicht mehr herausfinden, warum sie beteiligt waren. Wir vermuten aber, dass sie wegen ihres Wissens, ihrer Erfahrung und ihren Beziehungen zu den Behörden beigezogen worden sind.

Mit der Gründung der BML wurde einerseits bezweckt, preisgünstige Wohnungen zu bauen, da in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg eine grosse Wohnungsnot herrschte. Andererseits konnten die Handwerkermeister auf diese Weise der Wirtschaftskrise entgegenwirken, indem sie sich durch Neubauten willkommene Arbeit beschafften. Im Gegenzug mussten sie die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, welche erst den Erwerb der Grundstücke für die geplanten Neubauten ermöglichten.

Der Staat förderte damals das Genossenschaftswesen generell durch Subventionen, resp. Wohnbauförderungsmittel.

Die Gebiete Bodenhof, Imfang und Schönbühl waren damals noch nicht überbaut. Sie wurden weitgehend landwirtschaftlich genutzt.

Die BML erwarb von Ernst Ambühl (Luzern/Barcelona) im Gebiet Bodenhof Bauland. Dieser Kauf ermöglichte die Erschliessung des Areals mit Hasel- und Primelweg, um dort Neubauten zu erstellen.Ernst Ambühl verkaufte der BML auch an der oberen Bodenhofstrasse Terrain. Später gelangten die Grundstücke am Hubelrain und am Grenzweg – allerdings von anderen Grundeigentümern – in den Besitz der BML.

Bei der Ausführung der verschiedenen Bauvorhaben ergaben sich im Bodenhof Schwierigkeiten wegen der Benutzung einer Privatstrasse durch den unvermeidlichen Verkehr zu den Bauplätzen und dem gleichzietigen Kanalisations-Anschluss and eine private Leitung. Später konnten diese Schwierigkeiten auf gütliche Weise beigelegt werden.

Die Vermietung der Wohungen am Haselweg und am Primelweg 5,7 und 9 erfolgten problemlos, da die Wohnungen zu günstigen Mietzinsen angeboten wurden.

Mehr Schwierigkeiten ergaben sich bei der Vermietung der Wohnungen am Primelweg 6, 8, 12, 14 und 16. Für diese Bauten erhielt die BML keine Baubewilligung für einen Dachstockausbau. Damit fehlte ein geplantes volles drittes Stockwerk. Das «Argument» der Baubehörde lautete «Die Bauten dürfen vom See aus nicht sichtbar sein». So wollte es die damalige Gesetzgebung. Demgegenüber stehen heute – mehr oder weniger – direkt am See Hochhäuser.

Der Umstand, dass das von der Bauherrschaft vorgesehene Bauvolumen nicht ganz ausgeschöpft werden durfte, führte zwangsläufig zu höheren Mietzinsen, als eigentlich beabsichtigt war – vor allem am Primelweg 6 und 8. Aufgrund der Wohnbauförderungssubventionen durften die Wohnungen nur an Mieter mit niedrigen Einkommen vermietet werden. Für diese Mietergruppe waren Mietzinse im Verhältnis zum Einkommen trotzdem kaum tragbar, was einen öfteren Mieterwechsel zur Folge hatte. Es gab Mieter, die aus purer Not eine BML-Wohnung bezogen, weil die damalige Wohnungsknappheit sie dazu zwang. Es war ihnen beim Einzug nicht bewusst, dass diese Mietzinse für ihre bescheidenen Einkünfte gar nicht erschwinglich waren.

Das Einbringen der Mietzinse war zu dieser Zeit sehr mühsam. Abschreibungen für nicht bezahlte Mietzinse war die Folge und mussten von der BML finanziell verkraftet werden. Das zusätzlich benötigte Genossenschaftskapital floss nicht wie erwartet. Die Auswirkung war, dass dadurch die Bezahlung von Bankkrediten nicht mehr pünktlich erfolgen konnte. Dies war der Grund, warum das Bauland oberhalb der Bodenhofstrasse veräussert werden musste. Damit konnte verhinder werden, dass sich die Bau- und Mietergenossenschaft nicht noch mehr verschuldete. Als weitere finanzielle Belastung folgte die Korrektion (Belagsarbeiten) des Hasel- und Primelweges.

Die Jahre waren hart für den Vorstand, galt es doch mit allen Mitteln zu verhindern, dass keine Liegenschaften veräussert werden mussten. Diese Absicht (Grundhaltung) wurde durch den Aufruf an die Genossenschafter und die vermehrten Einzahlungen der Pflichtanteile unterstützt. Dennoch mussten zum Leidwesen des Vorstandes und der Genossenschafter auf Druck der Banken die  Liegenschaften Primelweg 6 und 8 veräussert werden. Ebenso das Zweifamilienhaus an der Langensandstrasse. Trotz erheblichen finanziellen Belastungen war der Vorstand stets bemüht, den Unterhalt der Wohnungen sicher zu stellen. Der häufige Mieterwechsel der ersten Jahre belastete die Finanzen der BML langfristig sehr stark.

Die 1. Generalsversammlung der BML datiert vom 17. Februar 1947. Der damalige Vorstand bestand aus folgenden Mitgliedern:

Anton Voney Präsident
Emil Brun Vizepräsident/Aktuar
Erwin Müller Kassier
Dr. E. Oberli Beisitzer
Alphons Waltensberger Beisitzer

Von 1950 – 1982 war Emil Brun Präsident. Auch der damalige Lebensmittelinspektor Kaspar Meier war einige zeit Beisitzer. Er wohnte am Primelweg. Wegen seines höheren Einkommens musste er für die subventionierte Wohnung einen höheren Mietzins bezahlen.

Infolge einer Statutenänderung wurden 1954 erstmals Mietervertreter in den Vorstand gewählt und zwar die beiden Mieter Hermann Arnold und Josef Keller als Liegenschaftsverwalter.

Neue finanzielle Probleme bedrückten den Vorstand. Die Luzerner Kantonalbank verlangte höhere Amortisationen. In der Not bat der Vorstand die BML-Gründer und die Handwerkermeister zusätzliche Anteilscheine zu zeichnen und gleichzeitig für die weiter angewachsenen Bauschulden zu bürgen. Diese waren dazu bereit, verlangen aber, dass künftig auch die Handwerkermeister Sitz im Vorstand hatten. Baumeister Walter Ammann und Malermeister Harry Bühlmann wurden demzufolge in den Vorstand gewählt.

Im Jahre 1957 (10 Jahre BML) präsentierte sich der Vorstand wie folgt:

Emil Brun (städt. Beamter) Präsident
Harry Bühlmann (Handwerker) Vizepräsident
Walter Leuenberger (Unternehmer) Kassier
Alphons Waltensberger (Beamter) Aktuar
Hermann Arnold (Chauffeur) Beisitzer und Liegenschaftsverwalter
Josef Keller (Polier) Beisitzer und Liegenschaftsverwalter
Ernst Brauchli (Handwerker) Beisitzer
F.O. Reinhard (Architekt) Beisitzer
Dr. Hans Sormani (Rechtsanwalt und Notar) Beisitzer
Erwin Müller (Beamter) Beisitzer

Walter Leuenberger war 40 Jahre Kassier der BML. Dank seiner Umsichtigkeit konnte er die Finanzlage der BML konsolidieren. Dadurch ging die BML einer gesicherten Zukunft entgegen. In dieser Zeitphase wurden von der BML sämtliche Subventionsverpflichtungen abgegolten.

Walter Leuenberger genoss grosse Anerkennung sowohl bei der Luzerner Kantonalbank wie auch bei den Genossenschaftern.

Weitere Vorstandsmitglieder, welche inzwischen verstorben sind oder demissioniert haben, waren Charlotte Ecklin, Ruedi Burkhalter, Walter Sidler, Franz Stutz sowie Albert Salzmann.

In den ersten Jahren war Fritz Flückiger, Sachwalter, Kontrollstelle der BML. Anschliessend bestand die Kontrollstelle ebenfalls über lange Jahre aus den Revisoren Karl Ziltener (Treuhandbüro), Ernst Rigert und Ernst Brauchli.

Die BML ist heute finanziell gesichert und gesund.

Die günstigen Hypothekar-Darlehen auf dem Finanzmarkt ermöglichen dem amtierenden Vorstand, der heutigen Marktlage angepasste Sanierungen in allen Liegenschaften vorzunehmen.

 

Heini Bühlmann, Präsident BML im Dezember 2007

© 2017 Bau- und Mietergenossenschaft Luzern | Impressum